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Donnerstag, 28.12.2017

"Wenn nicht jeder hellwach ist, droht der Super-Gau!"

Es ist für mich sehr schwer zu beurteilen, ob der Trainerwechsel von Alexander Nouri zu Florian Kohfeldt tatsächlich die beste Lösung war.

In Bremen habe ich Kohfeldt als Co-Trainer unter Viktor Skripnik als einen fachlich sehr guten Mann kennengelernt, der taktisch extrem versiert ist. Jetzt stellt sich die Frage, ob alle Spieler aus der damaligen Skripnik-Ära ihn auch als die unumstrittene Persönlichkeit sehen und die Autorität akzeptieren, die ein Cheftrainer unbedingt haben sollte.

Ein Co-Trainer ist dagegen viel näher an der Mannschaft dran und besitzt nicht immer die Distanz, die der Chef für die objektive Bewertung der Mannschaft benötigt. Dass man Tim Borowski zu den Profis zurückgeholt hat, war unterdessen ein guter Schachzug von Frank Baumann. Die Kombination aus Taktikfuchs Kohfeldt und dem Praktiker Borowski verspricht viel. Ich habe mit Tim lange gespielt und er war immer einer, der Vorbildwirkung hatte. Tim weiß, wie man sich im Abstiegskampf verhalten muss und hat immer deutlich angesprochen, wenn etwas in der Mannschaft falsch gelaufen ist. Da konnte es auch im Training manchmal härter zugehen.

Trotzdem bleibt die Frage, ob Werder in der aktuellen Situation nicht ein „Feuerwehrmann“ gut getan hätte, der über die Motivation kommt und sofort liefert. Denn Kohfeldt hat nur wenig Zeit, um seine Stärken einzubringen und neue Systeme und taktische Varianten einzustudieren. Aber diese Fragen wird sich auch Werder gestellt haben und ich wünsche Kohfeldt natürlich, dass er Werder rettet und nicht der Worst Case eintritt.

Was Hoffnung macht: Gegen Hannover hat man schon ein anderes Werder gesehen und daher hat der Wechsel bereits etwas bewirkt. Leipzig ist dagegen ein Topteam, da kann man verlieren. Um einigermaßen sorgenfrei in die Winterpause zu gehen, braucht man aber zwischen 17 und 20 Punkte. Da müsste Bremen mit derzeit acht Punkten schon alle vier ausstehenden Bundesligaspiele gewinnen.

Auf lange Sicht wird der neue Trainer zeigen müssen, wie er den Spagat zwischen Existenzkampf und dem Bemühen, die Mannschaft auf ein höheres taktisches Niveau zu bringen, hinbekommt. Dabei ist es übrigens völlig uninteressant, was die Konkurrenz macht. Der HSV hat gewonnen, Werder verloren – egal! Werder muss nur auf sich selbst schauen und darf sich nicht davon ablenken lassen.

Die beste Medizin wären drei Punkte gegen Stuttgart! Denn noch vor Weihnachten positive Ergebnisse zu schaffen, wäre für die Psyche ein Riesenvorteil. Du bist dann in der Rolle des Jägers und kannst die Konkurrenten angreifen. Und wenn eine Mannschaft von hinten näher heranrückt, wird der Druck auf die anderen umso größer.

Ich kann mich an einige Situationen erinnern, wo wir ähnlich schlecht standen und dann vor der Winterpause Leverkusen und Dortmund geschlagen haben. Highlights, die wir dringend gebraucht haben. Das war ganz wichtig und wir haben mit einem guten Gefühl Weihnachten feiern können. Jeder hat dann gemerkt, dass es voran geht und ist bis in die Haarspitzen motiviert in die Vorbereitung gegangen.

Ich wünsche mir sehr, dass Werder solche Lichtblicke wiederholen kann und sich die Hoffnung verstärkt. Aber die Lage ist kritisch und bei acht Punkten kann man nicht alles positiv sehen – das sollte man nicht vergessen. Wenn nicht jeder hellwach ist, droht der Super-Gau! Irgendwann ist es zu spät, um sich noch retten zu können.

Quelle: www.deichstube.de

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