Posting

Donnerstag, 28.12.2017

Erst Tafelspitz, dann volles Rohr

Besinnliche Feiertage? Nicht für Fußballer in England. Die spielen, was das Zeug hält. Und Ex-Werder-Profi Sebastian Prödl will rund um Weihnachten und Silvester mit dem FC Watford endlich mal gewinnen.

Der Hinweis schmerzt. „Echt?“, fragt Sebastian Prödl ungläubig zurück. Die DeichStube hat den ehemaligen Werder-Profi soeben aufgeklärt, dass er noch kein Spiel am und rund um den verrückten Boxing Day in der Premier League gewonnen hat. „Das wird sich ändern, jetzt bin ich noch motivierter“, verspricht Prödl, der seit zweieinhalb Jahren für den FC Watford verteidigt.

Auf ihn wartet ein Mammutprogramm mit vier Spielen in elf Tagen – und das ohne Rücksicht auf Weihnachten und den Jahreswechsel. „Die englischen Fußball-Fans lieben diese Zeit“, sagt Prödl: „Und als Spieler hast du das Gefühl, die ganze Welt schaut zu.“ Das gilt ganz speziell für den 26. Dezember, also den 2. Weihnachtstag, der auf der Insel Boxing Day genannt wird.

Geschenkschachteltag heißt das übersetzt. Früher wurden da Bedienstete von ihren Chefs beschenkt, heute ist es vor allem ein verkaufsoffener Feiertag mit großen Rabattschlachten. „Da geht es in der Stadt richtig rund“, berichtet Prödl. Der Österreicher kennt das allerdings nur vom Hörensagen, denn der 30-Jährige steht an diesem Tag auf dem Rasen. Die Premier League lässt schon ab mittags spielen – und das bis in den Abend hinein. Prödls FC Watford empfängt Leicester City: „Ein Heimspiel ist dann natürlich super.“

Nicht nur wegen der eigenen Fans, sondern auch wegen der Familie. Die kommt zu Weihnachten zahlreich aus Österreich angereist und hat dank des Heimspiels in London, wo der FC Watford beheimatet ist, etwas mehr von ihrem Sebastian. Nur am 23. Dezember nicht, denn da beginnt für Prödl die verrückte Zeit mit dem Auswärtsspiel bei Brighton & Hove Albion.

Heiligabend wird natürlich trainiert, am ersten Weihnachtstag ebenso. „Dazwischen hoffe ich schon auf ein paar besinnliche Stunden mit meiner Freundin und meiner Familie“, sagt Prödl. Damit sich alle wohlfühlen, hat er selbstverständlich einen Weihnachtsbaum besorgt. „Natürlich einen echten. Ich brauche diesen Duft. Und wir sind eine Tischler-Familie, da kann ich ja keinen Plastikbaum aufstellen.“

Prödl lacht. Weihnachten macht ihm doppelt Spaß: Viel Fußball, viel Familie – das passt. Prödl: „Wir dürfen trotz Weihnachten nicht träumen“ Nur beim Essen wird es etwas schwierig. „Da musst du als Profi schon einen Spagat hinkriegen“, gesteht Prödl. Er freut sich auf das Tafelspitz seiner Mutter an Heiligabend. „Das schmeckt super, aber zu viel darf ich auch nicht schlemmen.“ Schließlich ist das nächste Spiel am 2. Weihnachtstag schon in Sichtweite.

Und die Premier League kennt auch danach keine Gnade. Weiter geht es für den FC Watford bereits am 30. Dezember gegen Swansea City und dann am 2. Januar bei Manchester City. „Das ist schon hart“, gesteht Prödl und stöhnt: „Dieses Jahr gab es auch noch zwei Englische Wochen direkt vor Weihnachten.“

Für Watford lief es dabei nicht so gut. „Wir haben zwar gar nicht so schlecht gespielt, aber nicht gepunktet. Deswegen ist der Druck doch etwas gestiegen.“ Der Club steht zwar im Mittelfeld, hat aber nur sechs Punkte Vorsprung auf einen Abstiegsplatz. Die seien bei so vielen Partien in so kurzer Zeit schnell mal verspielt. „Diese Zeit ist wegweisend“, glaubt Prödl: „Deswegen dürfen wir trotz Weihnachten nicht träumen, sondern müssen volles Rohr geben."

Quelle: www.deichstube.de

  • Bookmark and Share