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Freitag, 18.08.2017

„Keiner wünscht sich Feuer unterm Arsch!“

Nachdem wir in London mit einem aufregenden 3:3 gegen Liverpool sehr ordentlich in die neue Saison gestartet sind, geht´s jetzt auch für Werder so richtig los.

Ich habe mich sehr gefreut, dass Werder ohne Probleme die erste Pokalhürde genommen hat – das war sehr wichtig. Das sind Momente, von denen jeder ausgeht, aber die nicht so selbstverständlich sind. Es zeigt, dass der Konzentrationslevel in Bremen sehr hoch ist.

Die Ergebnisse in der Vorbereitung waren fast durchwegs positiv und jetzt wartet mit der TSG Hoffenheim gleich ein Aspirant auf die Champions League. Ich finde es gut, wenn du zum Start gleich einen großen Gegner vorgesetzt bekommst, der ein echter Gradmesser ist. Zum Saisonbeginn ist der Druck auf uns Profis noch nicht so stark, das kommt erst so richtig bei negativen Erlebnissen. Aber Werder konnte damit in der letzten Saison gut umgehen und wir alle wünschen uns eine sorgenfreie Spielzeit, ohne Feuer unterm Arsch zu haben.

Die Transfers kann ich derzeit noch schwer einschätzen. Es gab namhafte Abgänge und vor allem sind mit Clemens Fritz und Claudio Pizarro echte Typen verloren gegangen. Das waren Führungspersönlichkeiten, die in der Kabine gesagt haben, in welche Richtung es gehen muss. Jetzt müssen andere in ihre Fußstapfen treten und an den neuen Herausforderungen wachsen. Frank Baumann wird sicher auch noch versuchen, den Kader noch zu verkleinern. Für die Abwehr wird, denke ich, noch ein Backup gesucht, denn Moisander und Sane hatten schon im Frühjahr mit Wehwehchen zu kämpfen und falls da weitere Verletzungen dazu kommen, könnte es eng werden.

Viele fragen mich als ja lange Jahre selbst Beteiligter, warum Werder fast schon traditionell jede Saison viele Gegentore bekommt. In Bremen hat sich schon unter Thomas Schaaf die Philosophie etabliert, dass du um ein Tor mehr schießen musst, als der Gegner. Werder steht für Spektakel und der großartige Support im Weserstadion treibt dich nach vorne. Alle wollen offensiven Fußball sehen, da ist es oft schwer, nicht mitgerissen zu werden. Aber durch die Änderung des Systems auf eine Dreierkette spürt man, dass Trainer Nouri und die Jungs an einer Verbesserung im Defensivverhalten arbeiten.

Was den neuen Torhüter Jiri Pavlenka betrifft, muss man noch abwarten. Torhüter haben es in Bremen seit Tim Wiese immer schwer und auch Felix Wiedwald wurde im Herbst medial mit der Mistgabel durch den Stall getrieben. In der Rückrunde hielt er dann sehr konstant und hätte eigentlich eine Chance verdient gehabt. Aber man muss die Entscheidung der Verantwortlichen akzeptieren.

Ich bin eigentlich sehr optimistisch, dass Werder in Hoffenheim punkten kann. Viele Mannschaften, die erstmals international spielen, haben in der Liga Probleme. Oft sind die Spieler von Teams wie Liverpool so fasziniert, dass es ihnen dann schwerfällt, den Schalter wieder umzulegen. Und Hoffenheim hat, wie man gegen Liverpool sehen konnte, noch Schwierigkeiten, den Abgang von Rudy und Süle zu kompensieren.

Jedenfalls freue ich mich auf ein heißes Duell zweier Mannschaften, die mit großen Ambitionen in die Saison gehen. Wie wir aus der Vergangenheit wissen, gab es da oft sehr spektakuläre Partien mit vielen Toren.

Sebastian Prödl´s Expertenkolumne zu seinem Ex-Klub Werder Bremen erscheint regelmäßig in der "Syker Kreiszeitung" und auf dem Online-Fanportal "Deichstube".

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